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Die Grenzen der Steuerbarkeit

Wenn ich ehrlich bin, war es für mich anfangs ein bisschen frustrierend zu akzeptieren, dass man lebende Systeme nicht wirklich steuern kann; klar, Du kannst Rahmenbedingungen setzen und Impulse geben, aber was dann tatsächlich passiert, das entscheidet das System selbst.

Nach meiner Erfahrung ist das aber auch unglaublich befreiend, wenn Du es einmal wirklich verstanden hast: Du musst gar nicht alles kontrollieren, weil Du es sowieso nicht kannst, und stattdessen darfst Du Dich darauf konzentrieren, Bedingungen zu schaffen, unter denen gute Dinge von selbst entstehen können.

Eine wichtige Erkenntnis

Was ich immer wieder beobachte: Je mehr jemand versucht, ein lebendiges System wie eine Maschine zu steuern, desto kreativer wird das System darin, Umgehungsstrategien zu entwickeln; es ist wie bei Kindern, die umso erfinderischer werden, je mehr Verbote Du aufstellst.

Diese Grenzen der Steuerbarkeit sind aber kein Grund zur Resignation, sondern eine Einladung zu einem anderen Führungsverständnis. Statt zu versuchen, jedes Detail zu kontrollieren, konzentrierst Du Dich darauf, die richtigen Rahmenbedingungen zu schaffen.

Ein praktisches Beispiel: Wenn Du willst, dass Dein Team kreativer wird, bringt es wenig, Kreativität per Anweisung zu verordnen. Aber Du kannst Räume schaffen, in denen Experimente erlaubt sind, Du kannst Zeit für Austausch einplanen, und Du kannst eine Atmosphäre fördern, in der auch verrückte Ideen erst mal gehört werden.

Ein anderer Blick auf Führung

Stell Dir vor, Du wärst nicht der Kapitän eines Schiffs, sondern ein Gärtner: Du kannst nicht bestimmen, wie jede einzelne Pflanze wächst, aber Du kannst dafür sorgen, dass der Boden stimmt, dass genug Licht da ist, und dass schädliche Einflüsse ferngehalten werden. Der Rest passiert von selbst.

Was bedeutet das konkret für Deinen Arbeitsalltag? Vielleicht hörst Du mehr zu und gibst weniger vor. Möglicherweise stellst Du mehr Fragen und lieferst weniger fertige Antworten. Eventuell experimentierst Du mehr und planst weniger im Detail.

Das heißt nicht, dass Du keine Ziele mehr setzt oder keine Entscheidungen mehr triffst. Es bedeutet, dass Du erkennst: Der Weg zu den Zielen entsteht oft erst beim Gehen, und die besten Entscheidungen entstehen manchmal aus dem Dialog mit dem System, nicht aus der einsamen Führungsetage.